VON DEN WUNDERN HIER DEUTSCHLANDS.
Nach der Ankunft des Germanus auf der Insel Britannien begab er sich zu der Festung des Kriegers namens Benli, um ihm zu predigen. Germanus blieb mit seinen Klerikern am Tor der Festung stehen. Der Pförtner ging mit der Botschaft des Geistlichen zum König; der König sagte unter einem Eid, wenn die Geistlichen bis zum Ende eines Jahres am Tor der Festung blieben, sollten sie nicht eingelassen werden. Der Pförtner brachte Germanus diese Antwort. Germanus entfernte sich am Abend vom Tor und wusste nicht, welchen Weg er gehen sollte. Da kam einer der Diener des Königs aus der Festung heraus, warf sich vor Germanus nieder und führte ihn freundlich und freudig mit sich in seine Hütte. Er besaß kein Vieh außer einer Kuh mit ihrem Kalb, und er schlachtete das Kalb, kochte es und gab es den Klerikern. Germanus aber befahl, dass seine Knochen nicht zerbrochen werden sollten; und am Morgen war das Kalb lebendig vor den Augen seiner Mutter.
Am folgenden Tag begab sich Germanus wieder an das Tor der Festung, um eine Unterredung mit dem König zu erbitten. Da kam ein Mann laufend und von Kopf bis Fuß schweißüberströmt; er kniete vor Germanus nieder, und Germanus sprach: »Glaubst du an die Heilige Dreifaltigkeit?« Und er antwortete: »Ich glaube.« Da taufte Germanus ihn und gab ihm einen Kuss; und er sagte zu ihm: »Erhebe dich, nun sollst du sterben, und die Engel Gottes warten auf dich.« Und er ging freudig in die Festung und wurde vom König getötet, denn der König pflegte jeden seiner Leute zu töten, der nicht vor Sonnenaufgang kam, um die Arbeit des Palastes zu verrichten.
Germanus verbrachte den ganzen Tag bis zur Nacht am Tor der Festung, bis derselbe, d. h. der zuvor erwähnte Diener, kam; und Germanus sagte zu ihm: »Hüte dich, hüte dich, dass sich niemand von den Deinen diese Nacht in dieser Festung befinde.« Sogleich führte er mit sich die neun Söhne, die er in der Festung hatte, und brachte den Geistlichen wieder mit sich in sein Haus; und sie alle hielten Wache. Und sogleich kam das Feuer Gottes vom Himmel über die Festung, so dass es die Leute der Festung verbrannte, Männer und Frauen, tausend Personen, durch den Zorn Gottes und des Germanus; und bis auf den heutigen Tag bleibt sie eine Ruine.
Am folgenden Tag wurden dieser Diener mit seinen Söhnen und die Leute des Bezirks in gleicher Weise getauft; und Germanus segnete ihn und seine Kinder. Sein Name war Caiteal, und durch das Wort, d. h. den Segen, des Germanus wurde er ein König, und seine Söhne wurden Könige, und ihr Geschlecht ist seither im Lande namens Pogus; ut dicitur in den Psalmen: suscitans a terra inopem, et de stercore erigens pauperem.
Nun blieben die Sachsen auf der Insel Teineth Thanet, und Gortigern versorgte und kleidete die Sachsen, damit sie für ihn gegen das Piktenland kämpften. Als aber die Sachsen sich vermehrt hatten, weigerten sich die Briten nicht nur, sie zu versorgen oder zu kleiden, sondern die Briten forderten sie alle auf, wegzugehen.
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Doch Hengist, ein erfahrener, weiser, listiger und verschlagener Mann, entgegnete ihnen (denn er sah, dass die Briten ohne Soldaten und ohne Waffen schwach waren) und sprach heimlich zu König Gortigern: »Lasst uns einen guten Rat fassen; lasst uns nach Germanien um Soldaten senden, damit wir zahlreich seien gegen unsere Feinde.« Gortigern antwortete: »Lasst Gesandte um Soldaten gehen«; und sie gingen; und es kamen achtzehn Schiffe mit auserlesenen Kriegern aus Germanien. In dieser Flotte kam auch seine Tochter zu Hengist: Sie war die Schönste unter den Frauen ganz Lochlands.
Daraufhin richtete Hengist im Königshaus, das Centic Elinit genannt wird, ein großes Festmahl für Gortigern und sein Heer aus; und keiner der Briten kannte die sächsische Sprache außer einem einzigen Mann. Die Tochter des Hengist ging daran, das Fest aufzutragen, nämlich Weine und Biere, in Gefäßen aus Gold und Silber, bis die Krieger berauscht und fröhlich waren; und ein Dämon fuhr in Gortigern, aus Liebe zur Tochter des Hengist, und er sandte den Dolmetscher zu Hengist, um sie für den König zu erbitten; und er sagte, dass »alles, was er als Brautgabe für sie fordern werde, ihm gegeben werden solle«. Hengist sprach, auf den Rat der Sachsen hin: »Man gebe uns das Land, das in der sächsischen Sprache Congarlona und in der britischen Ceint heißt.«
Gortigern übergab ihnen freudig die Herrschaft von Gurangona, und er lag bei der Tochter und liebte sie sehr.
Und Hengist sprach zu Gortigern: »Ich will dein Vater und dein Ratgeber sein, und wenn du meinem Rat folgst, werden die anderen Stämme dich in keiner Weise belästigen können; und ich werde nach Lochland meinen Sohn senden und den Sohn der Schwester seiner Mutter, und sie werden gegen den Feind kämpfen, der bis zur Mauer Gual vorgedrungen ist.« Gortigern sagte: »Sie sollen eingeladen werden«; und sie wurden eingeladen; und es kamen Ochta, der Sohn des Engist, und Ebisa mit vierzig Schiffen; und sie plünderten bei ihrer Ankunft aus dem Norden die Orkney-Inseln und nahmen viele Länder bis zum Friseg-Meer ein, das heißt das Meer, das nördlich des Gaedhal liegt. Und Hengist sandte ferner Gesandte nach mehr Schiffen, und jedes Jahr kam eine neue Streitmacht, so dass sie sich vermehrten und das Land von der Insel Teneth bis Cantarborgh erfüllten.
Der Teufel hielt das Übel, das Gortigern getan hatte, für nicht groß genug und verleitete ihn dazu, mit seiner eigenen Tochter zu verkehren, so dass sie ihm einen Sohn gebar. Als Germanus davon hörte, ging er, begleitet von einem Kleriker seines Volkes, d. h. eines Briten, um Gortigern anzuklagen und zu züchtigen; und er versammelte zu diesem Zweck alle Laien und Geistlichen Britanniens sowie auch, um sich über die Sachsen zu beraten. Da sprach Gortigern zu seiner Tochter: »Wenn sie alle zusammen versammelt sind, so gib dein Kind in die Arme des Germanus und sage, es sei sein Sohn.« Und die Tochter tat so. Germanus nahm das Kind entgegen und sprach zu ihm: »Ich will dein Vater sein«, sagte er; und Germanus verlangte nach einem Rasiermesser, einer Schere und einem Kamm und gab sie in die Hände des Säuglings; und so geschah es; und Germanus sprach: »Mein Sohn, gib diese in die Hand deines fleischlichen Vaters.« Und das Kind trat vor und gab Kamm, Schere und Rasiermesser in die Hand des Gortigern und sprach: »O mein Gebieter«, sagte er, »tonsuriere mich, denn du bist mein leiblicher Vater. Germanus ist mein Vater im Glauben.« Gortigern errötete darüber und geriet in großen Zorn und floh aus der Versammlung; und er wurde von allen Briten verflucht und auch von Germanus exkommuniziert.
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