Die Vision des Adamnan 1. Edel und wunderbar ist der Herr der Elemente, und groß undwunderbar sind Seine Macht und Seine Kraft. Denn Er ruft zu Sich imHimmel die Mildtätigen und Barmherzigen, die Sanften undBesonnenen; doch die Gottlosen und unnützen Scharen der Kinder desFluchs übergibt und stürzt Er in die Hölle. Denn den Seligen schenkt Erdie verborgenen Schätze und die mannigfachen Löhne des Himmels,während Er über die Söhne des Todes mannigfache Qualen in vielerleiArt verhängt. 2. Nun gibt es Scharen der Heiligen und Gerechten des Herrn derSchöpfung sowie der Apostel und Jünger Jesu Christi, denen dieGeheimnisse und Mysterien des Himmlischen Reiches offenbart wurdenund die goldenen Löhne der Gerechten; ebenso die verschiedenenSchmerzen der Hölle samt denen, die in ihrer Mitte gebunden sind. Denndem Apostel Petrus wurde das vierseitige Gefäß gezeigt, das vomHimmel herabgelassen wurde,[1]mit vier Stricken daran, und sieklangen süß wie irgendeine Musik. Auch der Apostel Paulus wurde inden Himmel entrückt,[2]und hörte die unaussprechlichen Worte derEngel und die Rede derer, die im Himmel wohnen. Ferner wurden amTage des Todes Mariens alle Apostel herbeigebracht, um die Schmerzenund elenden Strafen der Unseligen zu schauen; denn der Herr befahl denEngeln des Westens[3], die Erde vor den Augen der Apostel zu öffnen,damit sie die Hölle samt all ihren Qualen sähen und betrachteten, ganzwie Er selbst es ihnen lange vor Seinem Leiden gesagt hatte. 3. Schließlich wurden Adamnán ua Thinne, dem Hochgelehrten derWestlichen Welt, die Dinge offenbart, die hier aufgezeichnet sind; dennseine Seele verließ am Fest des Täufers Johannes seinen Leib und wurdein das himmlische Reich geführt, wo die himmlischen Engel sind, und indie Hölle mit ihrem lärmenden Pöbel. Denn kaum war die Seele aus demLeibe hervorgegangen, da erschien ihr der Engel, der ihr Wächtergewesen war, solange sie im Fleische war, und führte sie mit sich fort,zunächst das Reich des Himmels zu schauen. 4. Das erste Land nun, in das sie kommen, ist das Land der Heiligen.Ein helles Land schönen Wetters ist dieses Land. Darin sind verschiedeneund wunderbare Scharen, bekleidet mit Kutten aus weißem Leinen, mitstrahlend weißen Kapuzen auf dem Haupt. Die Heiligen der östlichenWelt bilden eine eigene Schar im Osten des Landes der Heiligen; dieHeiligen der westlichen Welt sind im Westen desselben Landes; dieHeiligen der nördlichen Welt und des Südens sind in ihrer großenVersammlung im Süden und Norden. Denn jeder, der im Land derHeiligen ist, darf frei der Musik lauschen und die Wölbung[4]betrachten,in der die neun Klassen des Himmels ihrem Rang und ihrer Ordnungnach sind. 5. Denn eine Zeitlang singen die Heiligen dann wunderbare Musikzum Lobe Gottes; eine andere Zeit lauschen sie der Musik deshimmlischen Heeres; denn die Heiligen haben kein anderes Bedürfnis, alsder Musik zu lauschen, die sie hören, und die Strahlkraft zu betrachten,die sie sehen, und sich an dem Duft zu sättigen, der in jenem Landeist. Der wunderbare Herr ist ihnen von Angesicht zu Angesicht imSüdosten,[5]mit einem kristallenen Schleier dazwischen; gen Süden isteine goldene Vorhalle, und durch sie erkennen sie Gestalt und Schattenbilddes Himmelsvolkes. Kein Schleier jedoch und keine Wolke liegtzwischen dem Heer des Himmels und dem Heer der Heiligen; jene sinddiesen stets offenbar und gegenwärtig an einem Ort, der ihnengegenüberliegt. Ein Feuerring umgibt diesen Ort, doch gehen sie allehinein und hinaus, und er schadet niemandem. 6. Die Zwölf Apostel und Maria, die reine Jungfrau, bilden eineeigene Schar um den mächtigen Herrn. Neben den Aposteln stehen diePatriarchen und Propheten und die Jünger Jesu. Auf der anderen Seitebefinden sich heilige Jungfrauen, zu Marias Rechter, und nicht ingroßer Ferne. Kinder und Jünglinge sind ringsum bei ihnen, und dieVogelchöre der himmlischen Wesen vollbringen ihre Kunst. Und inmittendieser Scharen leisten Heerscharen von Engeln, Hüter der Seelen, imköniglichen Gegenwartssaal unablässig Dienst. Kein Mensch in diesemgegenwärtigen Leben kann jene Versammlungen beschreiben oder dieArt und Weise ihrer Beschaffenheit kundtun. Und die Scharen undGemeinschaften, die im Land der Heiligen sind, verweilen ständig ineben jener großen Herrlichkeit, wie gesagt, bis zum großen Parlament[6]des Gerichts, wenn der gerechte Richter am Jüngsten Tag sie in ihreStände und Aufenthaltsorte ordnen wird, wo sie Gottes Antlitz schauenwerden, ohne Schleier und ohne Schatten dazwischen, durch ewigeZeitalter. 7. Doch so groß und weit die Pracht und die Strahlkraft im Land derHeiligen auch sind, wie gesagt, tausendmal weit größer ist die Pracht inder Region des Himmlischen Heeres um den eigenen Thron des Herrn.Dieser Thron ist wie ein überdachter Sessel gestaltet,[7]und unter ihmsind vier Säulen aus Edelstein. Selbst wenn jemand keinerlei Musikhätte, außer der harmonischen Melodie jener vier Säulen, würde er dochganz erfüllt sein von Wohlklang und Wonne. Drei stattliche Vögel sitzenauf jenem Sitz vor dem König, ihr Sinn ist in allen Zeiten auf denSchöpfer gerichtet, denn das ist ihre Aufgabe. Sie feiern die acht[kanonischen] Stunden, loben und verehren den Herrn, und die Erzengelbegleiten sie. Denn die Vögel und die Erzengel führen die Musik, unddarauf antwortet das Himmlische Heer mit den Heiligen und Jungfrauen. 8. Über dem Haupt des Herrlichen, der auf dem königlichen Thronsitzt, ist ein großer Bogen, gleich einem kunstvoll gearbeiteten Helmoder einer königlichen Krone:[8]und das Auge, das ihn schauen sollte,würde sogleich dahin schmelzen. Drei Kreise umgeben ihn und trennenihn vom Heer, und durch keine Erklärung kann ihre Natur erkanntwerden. Sechstausend Tausend in Gestalt von Pferden und Vögelnumgeben den feurigen Sitz, der dennoch ohne Ende und ohne Grenzeweiterbrennt. 9. Den mächtigen Herrn auf jenem Thron zu beschreiben, istniemandem möglich, es sei denn Er selbst täte es oder lenkte diehimmlischen Würdenträger dazu. Denn niemand könnte von SeinemUngestüm und Seiner Macht, Seinem Glanz[9]und Seiner Herrlichkeit,Seiner Helligkeit und Lieblichkeit, Seiner Freigebigkeit und Beständigkeitkünden, auch nicht von der Menge Seiner Engel und Erzengel, die Ihmihre Lieder singen. Seine Boten gehen immerfort zu Ihm und von Ihmweg, mit kurzen Botschaften an jede Versammlung, indem sie der einenSchar von Seiner Milde und Barmherzigkeit, der anderen von SeinerStrenge und Härte künden. 10. Wer auch immer sich Ihm gegenüber nach Osten und Westen,Süden und Norden wendete, würde zu jeder Seite ein majestätischesAntlitz sehen, siebenmal strahlender als die Sonne. Keine menschlicheGestalt mit Kopf oder Fuß ist daran zu erkennen, sondern eine feurigeMasse, die ewig brennt, während alle und jeder vor Ihm von Ehrfurchtund Beben erfüllt sind. Himmel und Erde sind voll mit Seinem Licht,und eine Strahlung wie von einem königlichen Stern umgibt Ihn.[10]Dreitausend verschiedene Gesänge werden von jedem einzelnen Chor umIhn angestimmt, und süßer als alle mannigfache Musik der Welt ist jedereinzelne dieser Gesänge. 11. Überdies ist auf folgende Weise die Stadt beschaffen, in der jenerThron steht. Sieben Mauern aus Kristall verschiedener Farbe umgebensie, jede Mauer höher als diejenige vor ihr.[11]Der Boden zudem undder unterste Sockel jener Stadt ist aus schönem Kristall, mit dem Antlitzder Sonne darauf(?), durchwirkt mit Blau, Purpur und Grün und jederanderen Farbe noch. 12. Ein sanftes Volk, überaus mild, überaus gütig, in keiner gutenEigenschaft mangelhaft, sind jene, die in jener Stadt wohnen; dennniemand kommt dorthin, und niemand bleibt dort je, außer heiligenJünglingen und eifrigen Pilgern Gottes. Was aber ihre Ordnung und ihrGefüge betrifft, so ist schwer zu verstehen, wie es gestaltet ist, dennkeiner wendet sich rückwärts oder zur Seite zum anderen; vielmehr hatdie unaussprechliche Macht Gottes sie gesetzt und hält sie von Angesichtzu Angesicht, in Reihen und hohen Kränzen, rings um den Thron,kreisend in Glanz und Seligkeit, ihr aller Angesicht auf Gott gerichtet. 13. Zwischen je zwei Chören ist ein Chorschranken[12]aus Silber,kunstvoll gearbeitet mit rotem Gold und Silber sowie erlesenen Reihenvon Edelsteinen, mit verschiedenfarbigen Juwelen besetzt; und andiesem Gitter sind Sitze und Überdachungen[13]aus Karfunkel. Zwischenje zwei Hauptscharen stehen drei Edelsteine, leise tönend mit süßerMelodie, und die oberen Hälften von ihnen sind Lichtlampen. SiebentausendEngel, gleich großen Kerzen, leuchten und erhellen die Stadt ringsum;siebentausend andere in ihrer Mitte brennen ewig innerhalb derköniglichen Stadt. Die Menschen der ganzen Welt, wenn sie an einemOrt versammelt würden, so viele ihrer auch wären, würden allein vondem süßen Duft einer einzigen jener Kerzen genug Nahrung gewinnen. 14. Die Bewohner der Welt nun, die nach ihrem Erdenleben nicht injene Stadt gelangen und denen nach den Worten des Gerichts eineWohnstätte darin zugeteilt wird, finden bis zum Kommen des Gerichtseine ruhelose und unstete Bleibe auf Höhen und Hügeln und in sumpfigenOrten. So ergeht es auch jenen Horden und Scharen, in deren Mitte derSchutzengel jeder Seele dient und sie pflegt. Am Haupttor der Stadtwerden sie von einem Schleier aus Feuer und einem Schleier aus Eisaufgehalten, die unablässig gegeneinander schlagen. Das Getöse und derLärm dieser Schleier, wenn sie aufeinanderprallen, sind in der ganzenWelt zu hören, und die Nachkommen Adams würden, hörten sie jenesGetöse, davon mit Zittern und unerträglicher Bestürzung ergriffen. Mattund benommen sind die Bösen von diesem Lärm; auf Seiten desHimmlischen Heeres jedoch ist von jenem rohen Widerklang nichts zuhören, außer ein ganz wenig, und das süßer als jede Musik. 15. Furchtgebietend ist jene Stadt und wunderbar zu beschreiben;denn nur ein kleiner Teil von vielem ist das, was wir von ihrenverschiedenen Ordnungen und ihren Wundern erzählt haben. Seltenfreilich vermag ein Geist nach seinem Umgang und Zusammenleben mitdem Leib, im Schlaf und in Ruhe, in Freiheit und Behaglichkeit, ohneFührung der Engel zum Thron des Schöpfers zu gelangen; denn diesieben Himmel sind schwer zu ersteigen, und keiner von ihnen istleichter als der andere. Sechs bewachte Tore treten allen Sterblichenentgegen, die das Reich erreichen. Dort sitzt an jedem Tor ein Torhüterund Wächter des Himmlischen Heeres. Am Tor desjenigen Himmels, derdiesseits am nächsten liegt, sitzt der Erzengel Michael, und bei ihm sindzwei Jünglinge[14]mit eisernen Ruten auf den Knien, um die Sünder zugeißeln und zu schlagen, wenn sie hindurchgehen, dies als ersten Schmerzund erste Qual des Weges, den sie zu gehen haben. 16. Am Tor des nächsten Himmels ist der Erzengel Ariel der Wächter,und bei ihm sind zwei Jünglinge[15]mit feurigen Geißeln in den Händen,womit sie die Bösen über Gesicht und Augen geißeln. Vor jenem Torliegt ein Feuerstrom, dessen Oberfläche eine ewig brennende Flamme ist.Abersetus ist der Name des Engels, der jenen Strom bewacht und dieSeelen der Gerechten läutert und sie im Strom wäscht, je nach dem Maßder Schuld, das an ihnen haftet, bis sie rein und leuchtend werden wieder Glanz der Sterne. Nicht weit davon ist eine liebliche Quelle, blumigund duftend, um die Seelen der Gerechten zu reinigen und zu trösten;doch quält und verbrüht sie die Seelen der Schuldigen und nimmt ihnennichts weg, vielmehr wächst bei ihnen dort Schmerz und Qual. Sündererheben sich aus ihr in Gram und unermesslicher Traurigkeit, dieGerechten aber schreiten mit Freude und großer Wonne zum Tor desdritten Himmels. 17. Darüber brennt ein feuriger Ofen unaufhörlich, dessen Flammeneine Höhe von zwölftausend Ellen erreichen; durch ihn gehen dieGerechten im Augenblick, doch die Seelen der Sünder werden darinzwölf Jahre lang gebacken und versengt, und dann führt ihr Schutzengelsie zum vierten Tor. Um das Eingangstor des vierten Himmels ist einfeuriger Strom wie der vorhergehende. Er ist von einer Mauer aus Feuerumgeben, zwölftausend gemessene Ellen breit, durch die die Seelen derGerechten gehen, als wäre sie nicht da, während die Seelen der Sünderdarin in Schmerz und Bedrängnis weitere zwölf Jahre verweilen, bisihr Schutzengel sie zum Tor des fünften Himmels bringt. 18. An jenem Ort ist ein feuriger Fluss, der allen anderen Flüssenunähnlich ist, denn in seiner Mitte befindet sich eine seltsame Art vonStrudel, in dem sich die Seelen der Bösen immerfort drehen und wenden,und dort bleiben sie sechzehn Jahre lang; die Gerechten aberdurchschreiten ihn sogleich ohne jedes Hindernis. Sobald die rechte Zeitkommt, da die Sünder daraus befreit werden sollen, schlägt der Engelmit einem Stab auf das Wasser, hart, als wäre er aus Stein, und hebt dieGeister mit dem Ende dieses Stabes empor. Dann bringt Michael siezum Tor des sechsten Himmels. Dort aber wird den Geistern keinSchmerz und keine Qual auferlegt, vielmehr werden sie dort mit demGlanz und der Leuchtkraft der Edelsteine erhellt. Dann kommt Michaelzum Engel der Dreifaltigkeit, und zu beiden Seiten geleiten sie die Seelein Gottes Gegenwart. 19. Unendlich und unbeschreiblich ist der Empfang, mit dem der Herrund das Himmlische Heer dann die Seele aufnehmen, wenn sie einereine und gerechte Seele ist; ist sie jedoch eine ungerechte und unnützeSeele, so ist die Aufnahme durch den Mächtigen Herrn hart und ohneMilde. Denn Er spricht zu den himmlischen Engeln: „Nehmt, ohimmlische Engel, diese unnütze Seele und übergebt sie in die HandLucifers, damit er sie in der tiefen Hölle stürze und dort gänzlichauslösche, durch ewige Zeitalter.“ 20. Daraufhin wird jene elende Seele mit Schrecken, Strenge undGrauen dem Anblick des Himmlischen Reiches und Gottes Antlitzesentzogen. Dann stößt sie einen Seufzer aus, schwerer als jeder Seufzer,wenn sie in die Gegenwart des Teufels gelangt, nachdem sie die Seligkeitdes Himmelsreiches geschaut hat. Ihr wird dann die Führung derErzengel genommen, in deren Gesellschaft sie in den Himmel gelangtwar. Zwölf feurige Drachen verschlingen einen Geist nach dem anderen,bis der unterste Drache ihn in den Rachen des Teufels bringt. Dort erlebter die Vollendung alles Bösen, in der Gegenwart des Teufels selbst, durchalle Zeiten. 21. Nachdem sein Schutzengel dem Geist Adamnáns diese Visionendes Himmlischen Reiches und den ersten Gang jeder Seele nach derTrennung von ihrem Leib offenbart hatte, führte er ihn hinab, um dieunterste Hölle mit all ihren Schmerzen, ihren Kreuzen und ihren Qualenzu sehen. Die erste Region, in die er kam, war ein schwarz verbranntes,ödes und versengtes Land, jedoch ohne irgendeine Strafe darin. EinTalgrund, mit Feuer erfüllt, lag auf der anderen Seite; gewaltig war seineFlamme, die über den Rand zu beiden Seiten hinausreichte. Schwarz warsein Grund, rot die Mitte und der obere Teil davon. Darin befanden sichacht Schlangen mit Augen wie Feuerkohlen. 22. Eine gewaltige Brücke überspannt das Tal und reicht von einemUfer zum anderen; hoch ist ihre Mitte, doch niedriger sind ihre beidenEnden. Drei Scharen versuchen hinüberzugehen, doch nicht alle gelangenhindurch. Die eine Schar findet die Brücke vom Anfang bis zum Endevon ausreichender Breite, bis sie das Feuer tal sicheren und unversehrt,furchtlos und unerschrocken überqueren. Die zweite Schar findet siebeim Betreten zunächst schmal, danach aber breit, bis auch sie, ebenso,dieses Tal nach großer Gefahr durchquert. Für die letzte Schar jedoch istdie Brücke zuerst breit, danach aber eng und schmal, bis sie aus ihrerMitte in dasselbe gefährliche Tal stürzen, in die Rachen jener achtglühenden Schlangen, die dort ihren Wohnsitz haben. 23. Die Leute nun, denen jener Weg leicht war, waren die Keuschen,die Reuigen, die Eifrigen, jene, die Gott mit blutigem Zeugnis eifrigbezeugt hatten. Die Schar, die den Weg zunächst schmal, danach aberbreit fand, waren jene, die kaum dazu gezwungen worden waren, GottesWillen zu tun, die aber danach ihren Zwang in den willigen DienstGottes verwandelt hatten. Jene jedoch, denen dieser Weg zunächst breit,danach aber eng war, waren Sünder, die auf die Gebote im Wort Gottesgehört und sie, nachdem sie sie gehört hatten, nicht erfüllt hatten. 24. Weiterhin verweilen dort große Scharen, schwach und kraftlos,am Ufer der ewigen Pein, im Land völliger Finsternis. Jede zweite Stundelässt der Schmerz von ihnen nach, und die nächste Stunde kehrt erwieder über sie. Dies sind nun jene, in denen Gut und Böse gleichausgewogen waren, und am Tag des Gerichts wird zwischen ihnengerichtet werden, und ihr Gutes wird an jenem Tag ihr Bösesauslöschen; und dann werden sie in den Hafen des Lebens gebrachtwerden, vor Gottes eigenes Antlitz, durch ewige Zeitalter. 25. Eine andere große Schar ist dort, nahe bei der zuletzt genannten,und ihre Qual ist ungeheuer. Und dies ist ihr Zustand: Sie sind anfeurige Säulen gefesselt, ein Meer aus Feuer bis an ihre Kinne umgibtsie, und um ihren Leib feurige Ketten in Gestalt von Vipern. IhreGesichter sind von Pein entflammt. Die so Gequälten sind Sünder,Brudermörder,[16]Verwüster von Gottes Kirche und erbarmungsloseErenachs,[17]die in Gegenwart der Reliquien der Heiligen über die Zehntenund Opfergaben[18]der Kirche gesetzt waren und diese Güter in ihrenPrivatbesitz abgeleitet hatten, fort von den Gästen des Herrn und denBedürftigen. 26. Große Scharen gibt es, die bis zur Hüfte im schwärzesten Schlammstehen. Kurze Kapuzen aus Eis sind auf ihnen. Ohne Rast und ohneUnterlass, durch alle Zeit, brennen ihre Gürtel sie fortwährend mitabwechselnder Kälte und Hitze. Dämonenscharen umringen sie mitfeurigen Keulen[19]in den Händen und schlagen ihnen auf den Kopf,obwohl sie fortwährend gegen sie ankämpfen. All diese Elenden habendie Stirn nach Norden gerichtet, und ein rauer, scharfer Wind bläst ihnenvoll ins Angesicht, zusätzlich zu jedem anderen Leid. Rote Feuerregenfallen jede Nacht und jeden Tag auf sie nieder, und sie können sie nichtabwehren, sondern müssen sie durch alle Zeitalter erdulden, jammerndund klagend. 27. Bei einigen von ihnen sind Feuerströme in den Höhlungen ihrerGesichter; bei anderen feurige Nägel durch die Zungen; bei wiederanderen durch den Kopf hindurch von einer Seite zur anderen. Die sobestraft werden, sind Diebe und Lügner und jene, die Treulosigkeitgeübt, Raub und Plünderung verübten; Richter, die falsch geurteilthaben, und streitsüchtige Menschen; Frauen, die mit Gift und Zauberngehandelt haben, Räuber[20]und Gelehrte, die sich der Häresie hingegebenhaben. Eine andere große Menge ist auf Inseln inmitten des feurigenMeeres gesetzt. Um sie ist eine silberne Mauer [aus dem Gewand undden Almosen], die [sie gespendet hatten] gebaut. Dies sind jene, dieBarmherzigkeit ohne Eifer[21]geübt und in lockerer Lebensführung undin den Banden ihrer Sünde bis zur Stunde ihres Todes verharrt hatten;doch ihre Almosen sind ihnen ein Bollwerk mitten im feurigen Meer biszum Gericht, und nach dem Gericht werden sie in den Hafen des Lebensgebracht werden. 28. Eine andere große Menge ist dort, bis zur Mitte mit roten undfeurigen Mänteln bekleidet.[22]Ihr Zittern und ihre Schreie werdensogar bis zum Firmament gehört. Eine unbeschreibliche Menge vonDämonen würgt sie, hält aber zugleich zottige, stinkende Hunde an derLeine, die sie aufhetzen, sie zu fressen und zu verzehren. Rot glühendeKetten[23]brennen unablässig um ihre Hälse. In jeder zweiten Stundewerden sie zum Firmament emporgehoben, und in der nächsten Stundewerden sie in die tiefste Hölle hinabgeschleudert. Die auf diese WeiseBestraf­ten sind die Ordensleute, die gegen ihre Regel verstoßen[24]undVerächter der Frömmigkeit geworden sind; ferner Betrüger, die dieMenge betrogen und verführt haben und Wunder und Zeichenunternommen haben, die sie nicht zu vollbringen vermögen. Außerdemsind die Kinder, die die Männer im Orden zerreißen, jene, die ihnen zurBesserung anvertraut worden waren, die sie aber nicht besserten und sieauch nicht wegen ihrer Sünden tadelten. 29. Danach ist dort eine andere gewaltige Schar; Osten und Westendurchschreiten sie, rastlos, über die feurigen Pflastersteine, im Krieg mitDämonenscharen. Unzählige Schauer rotglühender Pfeile werden vonden Dämonen auf sie herabgeregnet. Laufend gehen sie weiter, ohneStopp und ohne Halt, auf einen schwarzen See und einen schwarzenFluss zu, damit sie jene Pfeile darin löschen. Ein Weinen und Klagen,wahrhaft elend und erbarmungswürdig, erheben die Sünder in jenenWassern, denn darin begegnet ihnen nur eine Vermehrung ihresSchmerzes. Die so bestraft werden, sind betrügerische Handwerker,Weber und Kaufleute; Richter, die falsch geurteilt haben, sowohl Judenals auch andere; gottlose Könige, Erenachs auf liederlichen undverruchten Wegen, ehebrecherische Frauen und die Kuppler, die siedurch ihre bösen Praktiken zugrunde richteten. Jenseits des Landes derQual ist eine feurige Mauer; siebenmal schrecklicher und grausamer alsdas Land des Schmerzes selbst. Jedoch wohnt dort bis zum Gerichtkeine Seele, sondern es ist allein das Gebiet der Dämonen bis zum Tagdes Gerichts. 30. Wehe dann dem, der mitten unter jenen Qualen wohnen wird,in der Gesellschaft des eigenen Stammes des Teufels! Wehe dem, derjenen Stamm nicht kennt! Wehe dem, über den ein abscheulicher undwilder Dämon herrschen wird! Wehe dem, der den Geistern lauschenwird, die klagend und jammernd zum Herrn flehen, auf dass der Tag desGerichts bald komme, damit sie erfahren, ob sie irgendeine Milderungihres Urteils finden; denn sie erhalten niemals Aufschub, außer nur dreiStunden an jedem Sonntag. Wehe dem, dem jenes Land als bleibendesErbteil werden wird, ja für immer und ewig! Denn dies ist seineBeschaffenheit: Berge, Höhlen und dorniges Gestrüpp; Ebenen, kahl undausgedörrt, mit stehenden, von Schlangen bewohnten Seen. Der Boden istrau und sandig, sehr schroff, eisgebunden. Breite feurige Pflastersteinebedecken die Ebene. Große Meere sind dort, mit schrecklichen Abgründen,in denen der Teufel seinen ständigen Wohnsitz und Aufenthaltsort hat.Vier mächtige Flüsse durchqueren seine Mitte: ein Feuerfluss, einSchneefluss, ein Giftfluss, ein Fluss schwarzen, trüben Wassers. Darinwälzen sich gierige Horden von Dämonen, nachdem sie ihr Fest undihre Freude daran gehabt haben, die Seelen zu quälen. 31. Zu der Stunde, da die heiligen Scharen des Himmlischen Heeresmit harmonischer Melodie die acht Stunden singen und den Herrn mitFröhlichkeit und großer Freude preisen, stoßen die Seelen der Bösenerbärmliche und müde Klagelaute aus, während sie unablässig vonDämonenhorden geschlagen werden.Solche also sind die Schmerzen und Qualen, die sein Schutzengeldem Geist Adamnáns offenbarte nach dessen Reise zum HimmlischenReich. Daraufhin wurde er im Augenblick durch den goldenen Vorhof[25]und durch den kristallenen Schleier in das Land der Heiligen getragen,wohin er zuerst nach seinem Austritt aus dem Leib gebracht wordenwar. Als er jedoch daran dachte, in jenem Land zu ruhen und zuverweilen, hörte er durch den Schleier die Stimme des Engels, die ihmgebot, wieder in jenen Leib zurückzukehren, aus dem er gekommenwar, und in Gerichten und Versammlungen sowie in den großenZusammenkünften der Laien und der Kleriker die Belohnungen desHimmels und die Schmerzen der Hölle zu berichten, eben so, wie seinSchutzengel sie ihm offenbart hatte. 32. Dies also war die Lehre, die Adamnán von da an unablässig denVersammlungen verkündete, solange er lebte. Dies predigte er auch inden großen Versammlungen der Männer Éires,[26]in denen dieKonstitution Adamnáns den Gälen auferlegt wurde und die Frauendurch Adamnán und durch Finnachta Fledach,[27]König von Éire, unddie Fürsten Éires einmütig emanzipiert wurden. Solche Nachrichtenverkündete auch Patrick, Sohn des Calpurnius, in der Morgenröte desEvangeliums stets denjenigen, die an den Herrn glauben wollten, durchseine Lehre und seine Führung ihrer Seelen[28]— nämlich dieBelohnungen des Himmels und die Schmerzen der Hölle. Dies ist auchdie Lehre, die Petrus und Paulus und die [anderen] Apostel ambeständigsten lehrten, nämlich die Aufzählung der Belohnungen undStrafen, die ihnen in gleicher Weise offenbart worden waren. Und solehrte auch Silvester, Abt von Rom, den Konstantin, Sohn der Helena,Hochkönig der Welt, in der Allgemeinen Synode, als er Rom dem Paulusund Petrus übergab.[29]Ebenso lehrte Fabian, Nachfolger des Petrus,den Philipp, Sohn des Gordian, den König von Rom, wodurch er an denHerrn glaubte, und zu jener Stunde glaubten viele Tausende mit ihm.[30]Denn er war der erste König von Rom, der an den Erlöser JesusChristus glaubte. 33. Und dies sind die Nachrichten, die Elias den Seelen derGerechten unter dem Baum des Lebens, der im Paradies ist, beständigverkündet. Sobald Elias sein Buch öffnet, um die Geister zu unterweisen,eilen die Seelen der Gerechten in Gestalt leuchtend weißer Vögel vonallen Seiten zu ihm. Dann berichtet er ihnen zuerst von den Löhnen derGerechten, den Freuden und Wonnen des Himmlischen Reiches, unddarüber freut sich die ganze Menge sehr. Danach berichtet er ihnen vonden Schmerzen und Qualen der Hölle und den Wehen des JüngstenTages; und leicht ist an seinem Gesicht und an dem Enochs dieMiene des Schmerzes zu erkennen; und dies sind die beiden Schmerzendes Himmlischen Reiches. Dann schließt Elias sein Buch, und daraufhinstimmen die Vögel überaus großes Klagegeschrei an, spannen ihreFlügel gegen ihren Leib, bis Blutströme daraus hervortreten, aus Angstvor den Wehen der Hölle und dem Tag des Gerichts. 34. Da nun jene, die so klagen, die Heiligen sind, denen ewigeWohnstätten im Himmlischen Reich zugeteilt sind, wie viel angemessenerwäre es dann für die Menschen, die noch auf Erden sind, selbst mitTränen aus Blut über den Tag des Gerichts und über die Schmerzen derHölle nachzusinnen. Denn dann wird der Herr jedem auf Erden dengebührenden Lohn vergelten, das heißt den Gerechten Belohnung undden Schuldigen Strafe. Und genau zu jener Zeit werden die Schuldigenin den Abgrund ewiger Pein gesetzt werden, und das Buch des WortesGottes wird dann unter dem Fluch des Richters des Gerichts für immergeschlossen sein. Die Heiligen aber und die Gerechten, die Mildtätigenund die Barmherzigen, werden zur Rechten Gottes getragen werden, ineine bleibende Wohnung im Reich des Himmels, wo sie ohne Alter undohne Tod, ohne Ende und ohne Grenze wohnen werden, immer und ewig. 35. So also ist die Gestalt jener Stadt: ein Reich ohne Stolz oderEitelkeit, ohne Lüge oder Gewalttat, ohne Trug oder Verstellung,[31]ohne Erröten, ohne Scham, ohne Vorwurf, ohne Beleidigung, ohne Neid,ohne Hochmut, ohne Pest, ohne Krankheit, ohne Armut, ohneNacktheit, ohne Tod, ohne Vernichtung, ohne Hagel, ohne Schnee,ohne Wind, ohne Regen, ohne Lärm, ohne Donner, ohne Finsternis,ohne Kälte — ein edles, bewundernswertes, ätherisches Reich, erfülltvon der Weisheit,[32]dem Glanz und dem Duft eines üppigen Landes,in dem jedes Gute genossen wird. FINIT-AMEN-FINIT. Attributions: Source: Archive.org License: Public Domain Translation: Automatic (OpenAI) Acknowledgments: YrWyddfa - Tool creation